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Die Firmeninsolvenzen sind seit 2019 um über 30 Prozent zurückgegangen und erreichen damit einen historischen Tiefstand. Viele Unternehmen konnten durch die staatlichen Corona-Hilfsmaßnahmen überleben. Hilfsgelder und die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht halfen in Not geratenen Firmen – nun erwarten viele Experten eine Insolvenzwelle.
Wir sprachen mit Ralph Roßmanith, Geschäftsführer der STP Business Information

Die Insolvenzantragspflicht ist seit 1.Mai 2021 für alle Unternehmen wieder in Kraft. Bestätigen dies die aktuellen Zahlen?
Nein, dies sehen wir noch nicht. Dies hängt sicherlich auch noch am flexiblen Kurzarbeitergeld und den staatlichen Hilfen. In einzelnen Branchen ist jedoch bereits jetzt ein Anstieg zu verzeichnen. CrifBürgel rechnet noch in diesem Jahr mit einer Insolvenzwelle in Deutschland – insgesamt 35.500 Firmeninsolvenzen seien möglich.

Den nun sichtbaren Anstieg von Privatinsolvenzen hatten wir erwartet, da Verbraucher nun nach drei statt wie bisher nach sechs Jahren von ihren Restschulden befreit werden können.

Wo liegt die Gefahr für eigentlich gesunde Unternehmen?
Die Gefahr liegt eindeutig in der Folgeinsolvenz, wenn Geschäftspartner oder Kunden den Gang zum Insolvenzgericht antreten müssen und eigene Forderungen ausfallen. Wir müssen immer wieder feststellen, dass als Folge der Insolvenzen größerer Unternehmen ein partieller Insolvenzstrudel bei Zulieferern oder Dienstleistern entsteht.

Bislang verlässliche Partner oder Kunden können so zur Gefahr werden gerade in einigen Branchen, wie der Automotive, Bau, Handel und Gastgewerbe, welche stärker davon betroffen sind.

Gibt es denn weitere Indikatoren für eine Insolvenzwelle?
Laut Statistischem Bundesamt beliefen sich die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger aus beantragten Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2020 auf knapp 44,1 Milliarden Euro. Das sind 26,8 Milliarden Euro mehr als 2019. So hatte sich in Nordrhein-Westfalen im ersten Quartal 2021 die Summe der offenen Forderungen verdreifacht – eine nicht zu unterschätzende Gefahr in Bezug auf Folgeinsolvenzen.

Daneben sind auch die sprunghaft steigenden Rohstoffpreise ein Risikopotenzial für viele Firmen, deren Kapitaldecke durch Corona dünn geworden ist.

Kann man sich auf die Insolvenzwelle vorbereiten? Wie können Unternehmen Risiken minimieren?
Jetzt sollte man die Prozesse im Unternehmen anpassen: ein stringentes Forderungsmanagement aber auch ein Monitoring der Kunden oder Zulieferer auf Insolvenzmerkmale und ungewöhnliche Veränderungen aus dem Handelsregister (z.B. Wechsel des Geschäftsführers) verringern die Risiken deutlich.

Automatisierte Benachrichtigungen oder Monitore zu Insolvenz- und Handelsregisterdaten reduzieren hier den Aufwand erheblich und ermöglichen, dass sofort gehandelt werden kann. Aktuelle Firmeninformationen, wie sie die STP Business Information liefert, helfen die richtigen Schlüsse zu ziehen und ungewollten Entwicklungen entgegenzusteuern.

Vielen Dank, Herr Roßmanith

 

Das Interview führte Monika Binninger

Bild: Mohamed Hassan / FreeDigitalPhotos